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Der
Beginn & die Fresken
Nahe
der Kreuzung zweier wichtiger Handelsstraßen wurde in
einem sumpfigen Gebiet, durch das sich das Flüsschen Itz schlängelt,
im Jahre 1473 ein Siechenhaus mit einer Kapelle erbaut.
Dieser Gebäudekomplex lag vor dem südlichen Tor Coburgs – vor
dem Ketschentor.
Die Kapelle wurde dem heiligen Nikolaus geweiht, der als
Helfer für Pilger, andere Reisende, in Not Geratene und ansteckend
Erkrankte gilt. Denn auf der Reise Erkrankte und in der
Stadt von ansteckenden Krankheiten Befallene fanden in dem Siechenhaus
Zuflucht und Pflege.
Die heute noch erhaltenen Fresken stammen aus dieser Zeit.
Sie sollten Trost und Hoffnung spenden und zeigen deshalb in ihrem
zentralen Fresko mit dem heiligen Nikolaus (2.v.re.) vereint (von
links nach rechts): • den
heiligen Erasmus: bekannt als Helfer gegen Krankheiten,
•
den heiligen Jakobus (den Jünger Jesu): erkennbar an seiner
Jakobsmuschel und verehrt als Patron der Pilger,
•
den heiligen Leonhard: als Helfer für alle Gefangenen und Patron
für das Vieh
und oberhalb dieser Heiligen blickt mit freundlichem
Ernst der gekreuzigte - mit langem Gewand bekleidete – Christus
auf den Betrachter herab. Er ist nicht als ein mit dem Tode
Ringender dargestellt, sondern als einer, der Tod und Leiden überwunden
hat und sich nun segnend dem zuwendet, der seine Hilfe
erfleht.
Eine
Kapelle – viele Gemeinden Das
Siechenhaus bestand bis 1709, dann musste es einem Armenhaus
weichen, das zugleich als Altenheim diente. Die
Kapelle aber blieb
bestehen. Doch in ihr wurden seit 1529 – nachdem sich in Coburg
die Reformation durchgesetzt hatte – evangelische Gottesdienste
abgehalten. 1723
schlug ein Blitz in die Kapelle; und immer wieder machte
ihr das Hochwasser der Itz zu schaffen. Nach jeweils
notdürftiger
Reparatur verfiel sie zusehends, da sie ziemlich selten
genutzt wurde.
Da wurde vom Herzog Ernst I von Sachsen-Coburg-Gotha
dem Gesuch der kleinen römisch-katholischen Gemeinde entsprochen,
ihnen die Nikolaus-kapelle zur Mit-benutzung als Gotteshaus zu überlassen.
Das geschah im Jahre 1806.
Bald aber beklagte diese Gemeinde den ruinösen Zustand der
Kapelle und zog - nach kontinuierlichem Anwachsen - 1860 in die
neu
gebaute (neugotische) Kirche St. Augustin um.
Nun diente die Nikolaus-Kapelle wieder ausschließlich dem evangelischen
Gottesdienst für die Bewohner des Armen- und Altenheimes und
wurde wiederum wenig genutzt. Die Kapelle wird Synagoge Doch
1873 stellte die israelitische Kultus-gemeinde Coburgs
den Antrag, die Nikolaus- Kapelle als Gotteshaus nutzen
zu dürfen.
Der Stadtrat, der damals eine erfreulich zugewandte und
tolerante Haltung den Juden gegenüber zeigte, gab
diesem Antrag seine Zu-stimmung. Und so erfolgte ab 1873
der Umbau der Kapelle zur Synagoge.
Es wurde eine weit in den Raum greifende Empore eingebaut,
zu der - neben einer Innentreppe - die für die Nikolaus-Kapelle
typische überdachte Außentreppe führt. Diese Empore
und ein sechseckiger Vorbau, dem die Westwand der Kapelle weichen
musste, sorgten zusammen mit Erweiterungsnischen für eine gewaltige
Ausweitung des Platzangebotes. Außerdem wurde in den Altar, der in der Barockzeit in die Kirche
eingebaut worden war, ein Toraschrank eingefügt und davor ein
Lesepult zum Auflegen für die Torarollen aufgestellt.
Fast 60 Jahre lang konnte die Kapelle von der jüdischen Gemeinde
genutzt werden. 1932 aber wurde von dem inzwischen nationalsozialistisch
domi-nierten Stadtrat das Nutzungsrecht gekündigt.
Von den Brandstiftungen der Reichspogromnacht blieb die
Kapelle verschont, doch von den Einrichtungs-gegenständen z.B. dem Tora-Schrank-
blieb nichts erhalten. An Spuren aus dieser Zeit haben wir neben der
Außentreppe lediglich den sechseckigen Vorbau vor dem Westtor
der Kapelle. Das dadurch neu entstandene Eingangstor schmückt
ein Medaillon aus Blattgirlanden und Füllhörnern. Darin
sind Reste abgeschlagener hebräischer Buchstaben zu erkennen,
die - übersetzt - besagen: „Dies ist das Tor zu Gott“. Die Kapelle wird alt-katholisch Zwölf Jahre lang (von 1933 -1945) blieb dieses Tor ungenutzt-
stand die Kapelle leer. 1945 zog schließlich – nach Renovierungsarbeiten – die
evangelisch-freikirchliche Gemeinde der Baptisten in die Nikolaus-Kapelle
und hielt bis 1961 ihre Gottesdienste. Dann wurde auf Grund des Gemeindewachstums
der Umzug in ein eigenes Gemeindezentrum nötig. In dieser Zeit
wurde das baufällig und funktionslos gewordene Alten- und Armenhaus
abgerissen.
Daraufhin erhielt 1962 die kleine Coburger Alt-Katholische
Gemeinde die Kapelle zur Nutzung als Gotteshaus. Die
Kapelle wurde aber in fünfjähriger Kraftanstrengung
von Seiten der Alt- Katholischen Gemeinde unter Leitung von Dr. Heino
Mädebach und von Seiten des Coburger Stadtrates und des Amtes
für Denkmalpflege umfassend restauriert. Da wurden die freigelegten
Fresken wieder deutlich erkennbar – auch die nur in Ausschnitten
erhaltenen, die von der Geburt Jesu (linke Seite des Chorraumes)oder
von seinem Leiden (rechte Seite – zerstückelt durch eines
der gotischen Fenster) erzählen. Im Bilderfeld neben der Passionsgeschichte
wird Jesus am Kreuz von zwei Engeln zu Gott getragen. Dabei verdeutlicht
eine zu ihm herab fliegende Taube als Symbol für den heiligen
Geist Gottes die Verbindung zwischen Gott und dem Gekreuzigten. Unter
diesem „Gnadenstuhl“ stehen als Zeugen für das Erlösungsgeschehen
Philippus, ein Jünger und Jakobus (Minor) ein Bruder Jesu – beide
erkennbar an ihren bekannten Attributen. Im Zentrum aber – oberhalb
des Altares – blickt der am Kreuz siegreiche Christus (mit Herrscherkrone
und langem Gewand) - nach seiner Freilegung - wieder freundlich auf
die vier im Fresko unter ihm - um den Kirchenpatron Nikolaus - versammelten
Heiligen – und auf die BesucherInnen der Kapelle.
Diese versammeln sich nun in einem Raum, der die Schönheit des
spätgotischen Raumes der Entstehungszeit wieder gewonnen hat.
Dazu trägt bei, dass die Empore verkleinert und der - zur Synagogenzeit
angeführte – Vorbau und der ursprüngliche Kapellenraum
wieder durch eine Wand getrennt wurden.
In den dadurch entstandenen Vorraum wurde ein reich verzierter,
kunstvoller Taufstein aus der Renaissancezeit (eine Leihgabe
der Kunst-sammlungen der Veste Coburg) gestellt. Dadurch
entstand eine Art Taufkapelle,
die aber bei Feierlichkeiten auch zu Stehempfängen genutzt
wird.
Oben - im Bereich der Empore aber entstand durch diese
Wand ein Raum, der zunächst als geräumige Sakristei, jetzt aber
als kleiner, jedoch gemütlicher Gemeinderaum dient.
Vervollständigt wurde die Ausstattung der Kirche nach dieser
grundlegenden Renovierung durch ein kleines, aber sehr klangvolles
Orgelpositiv der bekannten Orgelbaufirma Beckerath aus Hamburg.(5
Register / 378 Pfeifen ). Ihr Wohlklang inspiriert die GottesdienstbesucherInnen
zu intensivem Gesang und lockt zahlreiche BesucherInnen zur monatlich
stattfindenden „Geistlichen Abendmusik“. Voll
entfalten kann sich die besondere Atmosphäre der Nikolaus-
Kapelle zur Advents- und Weihnachtszeit, wenn sie die flackernden
Wachskerzen- auf den Tannenzweigen geschmückten hohen Kerzenständern
im Chorraum – und am Weihnachtsbaum – in ein warm glänzendes
Licht tauchen. In dieser Zeit ist dann auch der Schrein mit der modernen
Krippe von Jörg Manz geöffnet, die von Herrn und Frau Dr.
Mädebach der Gemeinde gestiftet wurde.
Schließlich ist noch das gepflegte parkartige Umfeld der Nikolaus–Kapelle
zu erwähnen, dem allerdings nicht wenige Bäume und Büsche
einer liebenswerten Wildnis hatten weichen müssen.
Diese Umgestaltung geschah im Gefolge der letzten Sanierung
und Renovierung der Kapelle in den Jahren 2000 bis 2002 .
Hierbei wurden am Äußeren und im Inneren der Kapelle unter
der Leitung des Stadtbauamtes - und auf Kosten der Stadt Coburg – dringend
nötige Reparaturen und Verschönerungsarbeiten durchgeführt.
Jetzt steht nur noch eine erneute Restaurierung der „etwas angegriffenen“ Fresken
aus.
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